Wie gelingt es mehr und mehr, den Kontakt mit sich selbst zu halten?
Aus dem Feld gelesene Antwort:
Alltagsgewohnte Routine kann sich am Morgen anfühlen… wie ein ausgetretenes Paar Schuhe. Wenn es sich so anfühlt, könnte hier ein Gedanke in vielerlei Hinsicht den Blickwinkel verändern.
Er legt sich in der Frage aus:
In welcher Art von Beziehung bist du gerade mit dir selbst?
Eine Frage, die augenblicklich ins Innere führt. Und nicht nur das. Eine Antwort verlangt nämlich ein Erfassen des gegenwärtigen Erlebens. Wenn es nun darum geht, wie bewusst sich der Mensch seiner Selbst gerade ist, geht es dann nicht auch um innere Anwesenheit?
Nun, was heißt es, innerlich anwesend zu sein, während sich der Tag durchwandert?

Es ist wie das Eintauchen des Körpers während einer ersten frühsommerlichen Erfrischung in einem Bergsee. Der Großteil der Aufmerksamkeit liegt dann für einen Augenblick oder länger am Körperempfinden und mitunter auch in einer gedankenlosen Berührtheit dieser Einswerdung mit See und Natur. Ein kurzer Moment oder auch einige mehr. Dann beginnt womöglich der Verstand darüber nachzudenken, wie viel Grad das Wasser wohl haben wird .. dass der Sommer nun endlich da ist .. oder wann das Schwimmen im letzten Jahr das erste Mal möglich war.
Doch immer wieder nimmt der Mensch für einen Augenblick wahr, wie es sich im Wasser anfühlt. Dann ist er, wenn auch nur für Augenblicke, anwesend in sich. Nun und in dieser Art Anwesenheit fühlt sich das Leben sehr lebendig an.
Warum also verlässt sich der Mensch immer wieder? … oder ist nur gelegentlich in sich auch wirklich anwesend…?
Weil er in seinem Erleben vorübergehend nicht die gleiche Aufmerksamkeit für seine inneren Abläufe aufbringt, wie für das äußere Geschehen. Oft fällt auf, wieviel Anspannung, Druck oder Ermüdung plötzlich fühlbar ist. Und dieses ‚plötzlich‘ ist im Grunde nur der Moment, in dem diese innere Anspannung, der innere Druck oder die innere Ermüdung bewusst geworden ist.
Was war davor …?
Wo war der Mensch davor …?
Vollkommen in äußeren Dingen verloren gegangen?
Wenn das so war, war sozusagen der ganze Mensch außer Haus.
Und nun stellt sich die Frage:
Wenn der Mensch während des Tages nicht wirklich anwesend ist, inwieweit hat er dann wirklich gelebt…?
Oder war er dann nicht auch zu einem großen Teil, nicht mehr AM Leben‘…? Und wenn du, MENSCH, feststellst, dass du schon einige Minuten oder bisweilen auch Stunden nicht mehr am Leben warst, ist es dann nicht eine Freude, es jetzt wieder sein zu können…? Ganz nah am Leben! Hier! In dir!
Es ist das ‚SichSelbstInAlleWindeStreuen‘, aus dem wenig bis gar nichts Bewusstes anwesend ist, während Leben geschieht.
Wie kann der Mensch also anwesend bleiben…?
… und dies … gleichzeitig im Tun, im Sprechen, im Wirken…?
Im Grunde, zeitgleich mit allem äußeren Erleben … auch innerlich am Leben bleiben!
Dies setzt jedoch voraus, in Kontakt mit sich zu bleiben. Während allem Tun und überdies auch im Umgang mit Verpflichtungen und Alltagsroutine hat der Kontakt zu sich selbst eine Art Vorrang … allem gegenüber. Nun und dies verlangt nicht mehr, als sich immer wieder selbst zu wecken … ins wache Selbst. Und dies ist eine Art Muskeltraining, um einen ganz bestimmten inneren Muskel wieder zu kräftigen.
Es ist das immer und immer wieder aufbringende Gewahrsein. Heißt zunächst, zu erkennen … und in jedem Augenblick um das gerade Tuende, Sprechende, Zuhörende, Denkende oder auch Beobachtende zu wissen.

Die innere Soheit immer wieder gießen. Einem duftenden Strauß Blumen gibst du ja schließlich auch frisches Wasser.
Nichts kräftigt sich, ohne dass da auch Kräfte wirken. Was es also braucht, ist Fokuskraft. Denn Fokus ist nichts anderes, als ausgerichtete Absicht.
Sich immer wieder auf das innere Geschehen besinnen und die Aufmerksamkeit dafür aufbringen. Die Verbindung zum inneren Geschehen immer wieder aufnehmen. Es mag sein, dass du dich für eine Zeit vergisst. Doch immer wieder gibt es Momente, in denen du ‚plötzlich‘ wahrnimmst, dass die letzten Minuten, Stunden oder Tage als eine Art Hinterlassenschaft in dir anklingen.
Und hier erkenne, dass es in dir zu einer vorübergehenden inneren Vertrocknung gekommen ist. Was nun?
Sei dieser inneren Vertrocknung hinfühlendes Wässern. In deiner inneren Anwesenheit löst sich jede Anspannung, jeder Druck und jede Verengung .. nach und nach. Dann ist der Mensch ein Fließen .. und was fließt, ist auch am Leben.
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Juliette Klinger ~Wachflüsterin~
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